ALTER

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Begriffsdefinition: Wer ist alt?

Laut Definition der Weltgesundheitsbehörde WHO gelten Personen, die das 65. Lebensjahr vollendet haben, als alt. In der gerontologischen Forschung erfolgt eine weitere Differenzierung in „junge Alte“ (60–75 Jahre), „alte Alte“ (75–90 Jahre) und „Hochbetagte“ (90+ Jahre), wobei die „jungen Alten“ im Allgemeinen gesund und leistungsfähig sind, während bei den „alten Alten“ gesundheitliche Probleme und altersbedingte Einschränkungen häufig auftreten.

Jeder will alt werden, niemand will alt sein

Für Menschen im Lebensabschnitt Alter werden immer wieder neue Begriffe kreiert wie Senioren, Jungsenioren, Ruheständler, Menschen im dritten Alter … Dies zeigt, wie schwierig es ist, diese Personengruppe anzusprechen, da sich viele Menschen dieser Gruppe nicht „alt“ fühlen und nicht zu „den Alten“ gehören wollen. Zum Alter zu stehen fällt schwer, da das gesellschaftliche Altersbild tendenziell negativ geprägt ist und Alter mit Krankheit, Behinderung, Abhängigkeit, Pflegebedürftigkeit assoziiert wird. Altersbilder haben einen großen Einfluss auf das Leben und Verhalten älterer Menschen und prägen ihr Selbstbild, da der/die Einzelne sich ihrem Einfluss nicht entziehen kann. Solche Altersbilder entstehen durch Wahrnehmungen, Annahmen und Vorstellungen, aber auch durch Darstellungen in den Medien und durch persönliche Kontakte mit älteren Menschen. Je nach dem, welche Bilder eine Gesellschaft vom älter werdenden Menschen hat, weist sie den Älteren bestimmte Rollen zu und enthält ihnen andere vor. Wie sich ältere Menschen verhalten, ist deshalb nicht nur Ergebnis ihres Alters, sondern auch die Antwort auf die formulierten Erwartungen, die die Umgebung und die Gesamtgesellschaft an Ältere stellen.

Alter muss nicht Altern bedeuten

Eines kann man von der vorakademischen Altersforschung lernen:

Man betrachtete das Alter und Altern nicht primär aus funktionaler Sicht: Wie kann man die Alten möglichst effektiv und ausdauernd in die Berufs- und Sozialwelt, einschließlich der Bürgergesellschaft, integrieren?

Statt vornehmlich von der Gesellschaft aus zu schauen und dann, freilich unausgesprochen, eine Nutzen-Kosten-Analyse vorzunehmen, vor allem im Blick auf die Berufswelt auf der einen und das Gesundheitswesen sowie die Rentenversicherung auf der anderen Seite, statt dieser Außenperspektive für die Betreffenden nehme man die Innenperspektive ein und frage nach der Würde des Alters und des Alterns.

In den romanischen Anredeformeln, also im französischen Ausdruck seigneur, im italienischen signore, im spanischen señor, auch dem französischen sire und dem englischen sir, klingt es noch an: Der Ältere ist der „in Ehren Ergraute“, der Ehrwürdige, der von Seiten Jüngerer Achtung verdient.